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THEMA: Genua als Kreuzfahrthafen in den vergangenen Jahren aufgeblüht

Genua als Kreuzfahrthafen in den vergangenen Jahren aufgeblüht 07 Mai 2010 14:06 #15471

Vor Jahren zählte die alte Hafenstadt nicht zu Bella Italia. Durch Sanierung und Kreuzfahrt-Tourismus erlebte sie eine neue Blüte.

Die einen sind von Genua entzückt, andere abgeschreckt. Wieder andere loben die 600.000-Einwohner-Metropole als authentischste Großstadt Italiens, was vor allem daran liegt, dass hier die Touristen noch nicht in Massen einfallen wie etwa in Florenz, Venedig und Rom. Kurz: Die ligurische Hauptstadt polarisiert und ist alles andere als Mittelmaß.

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Nur wenige Städte haben in ihrer Geschichte derart ausgeprägte Höhen und Tiefen erlebt. Im Mittelalter mächtiges Finanz- und Handelszentrum sowie Hort höchster Kunstgenüsse, musste die Küstenstadt, die neben Christoph Kolumbus noch weitere große Seefahrer hervorbrachte, auch immer wieder schwere Rückschläge einstecken. In den 1970er- und 80er-Jahren zum Beispiel. Die mittelalterliche Altstadt, mit rund 400.000 angeblich die größte Europas, machte damals einen überwiegend verwahrlosten und der vernachlässigte Hafen mit seinen Schrottbergen und dunklen Ecken einen abstoßenden Eindruck. Kein Wunder, dass Touristen oft einen großen Bogen um die Stadt machten. Doch dann kamen die 90er-Jahre und mit ihnen neuer Schwung, beflügelt von den Kolumbusfeiern 1992 und den Vorbereitungen zum Kulturhauptstadtjahr 2004.

Und tatsächlich: "La Superba" - die Stolze - ist wieder eine andere geworden: eine schönere, freundlichere und eben stolzere Stadt.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass in das Altstadtgewirr aus Hunderten kleinen Gassen und echt schrägen Wegen Licht gekommen ist. Im wahrsten Sinne. Schließlich wurden auch abgelegenere Passagen in den vergangenen Jahren mit Laternen ausgestattet, was sie als Standort dunkler Geschäfte automatisch unattraktiver machte.

Große Leuchtkraft strahlen auch die in den letzten Jahren restaurierten Kirchen, Bürgerhäuser und Paläste aus. Von denen ist die einst so machtvolle Handelsstadt übervoll, was man aber lange gar nicht wahrnehmen konnte. Erst beim Entstauben alter Fassaden, beim Entrümpeln von Hinterhöfen und Restaurieren von Häusern kam der Glanz der Vergangenheit wieder zum Vorschein.

"Man muss oft genau schauen, um die Schätze zu entdecken, doch es gibt sie zahlreich. Vor allem, wenn man nach oben blickt", begeistert sich Stadtführerin Daniela. "Die Geschäftsfassaden im Parterre sehen oft gewöhnlich aus, doch in den oberen Etagen werden Fresken, Rundbogenfenster und mittelalterliche Elemente deutlich", erzählt die seit Jahren in Genua lebende Frau, die die Entwicklung hautnah verfolgt.

Mit Freude zeigt sie auch weitere Glanzlichter: die schwarz-weiß gestreifte, romanisch-gotische Kathedrale San Lorenzo, den Palazzo San Giorgio mit seinen Fassadenfresken von Lazzaro Tavarone. Und den neoklassizistischen Palazzo Belimbau, der mit seinem opulenten Inneren zu den schönsten Palazzi dei Rolli zählt, von denen 2006 gleich 42 zum Weltkulturerbe gekürt wurden.

Zugleich setzte man in Genua mit Messen und Kongressen auf neue Klientel. Die kam auch mit den immer häufiger anlegenden Kreuzfahrtschiffen und Luxusyachten. Was nicht zuletzt am Porto Antico liegt, den Star-Architekt Renzo Piano zur "Piazza am Mittelmeer" umgestaltete und so zum neuen Aushängeschild aufwertete.

Das Acquario, zur EXPO 1992 eingeweiht, ist längst auch international ein Begriff, ebenso das 2004 hinzugekommene Meeresmuseum Galata. Der vielarmige Hafenkran Bigo, dessen gläserner Panoramaaufzug aufregende Ausblicke ermöglicht, hat sich als neues Wahrzeichen ins Gedächtnis gebrannt. Ebenso das einhellige Lob, einem abgeschnittenen, dunklen Viertel wieder Leben eingehaucht zu haben - mit Restaurants, Cafés, Museen, Yachthafen. Seither wird Genua europaweit als Musterbeispiel für gelungene Stadtsanierung angeführt.

Daniela jedenfalls sagt: "Das Leben ist zurückgekehrt", und das längst nicht nur tagsüber. "Früher ist man abends nicht in die Altstadt gegangen, sondern hat sich privat zu Hause getroffen, jetzt fühlen sich die meisten wieder sicher und gehen aus."

Plätze wie die Piazza delle Erbe haben sich zu einem echten Treff der Movida, der abendlichen Partybewegung ausgehfreudiger Genueser entwickelt. Danach geht es im Pulk in Clubs und Discos oder durch die Altstadt-Gassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Urlauber ins heiße Nachtleben der einst so verruchten Hafenstadt stürzen.
Quelle: kurier.at
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