Hier eine ergänzende Info!

Was sagt ihr dazu? Ich find diese Aktion super!!!!
Gerade von der Papenburger Meyer-Werft ausgeliefert, muss die "Celebrity Eclipse" schon auf einen Noteinsatz: Der neu erbaute Luxusliner holt im Aschechaos gestrandete Briten auf die Insel zurück. Dabei steht die Taufe des 540-Millionen-Dollar-Schiffs noch bevor.
Für ein Schiff hat die "Celebrity Eclipse" erstaunlich viel Vulkanisches an sich. Ihre Rasenfläche auf Deck 15 ruht auf Vulkanbimsstein, das Restaurant "Qsine" serviert "Lava Crab" (Königskrabbe auf heißen Steinen), in der "Molecular Bar" wabern weiße Dämpfe über rote Cocktails. Und dann wirbelt noch ein isländischer echter Vulkan die Fahrpläne der US-amerikanischen Reederei Celebrity Cruises durcheinander - noch bevor das zehnte Schiff ihrer Flotte überhaupt getauft werden konnte.
Zuerst verhinderte Eyjafjallajökulls Wolke, dass einige hundert Gäste zu einer ersten Probefahrt ab Hamburg einfliegen konnten. Nach dem Nordseetörn am vergangenen Wochenende rückte der Luxuskreuzer dann zu einer Rettungsaktion für über 2000 im Aschechaos gestrandete britische Urlauber aus, statt eine gemütliche Runde vor seinem Taufort Southampton zu drehen.
"Es sind Zeiten wie diese, in denen die weltweite Reiseindustrie zusammenhalten muss", meint der Amerikaner Richard D. Fain, Vorstandsvorsitzender von Celebrity Cruises, - und schickt seinen 2850-Betten-Neuling den Kriegschiffen der britischen Royal Navy hinterher, gen Spanien.
Am Samstagnachmittag wird die Taufpatin, die britische Hochseeseglerin Emma Pontin, die Champagnerflasche an die Bordwand krachen lassen. Noch am Tag davor sollten die Briten, die zum Teil schon tagelang in Bilbao festsaßen, in Southampton eintreffen, nachdem sie eine fast zweitägige Kreuzfahrt mit dem 540-Millionen-Dollar-Luxusliner genossen haben.
"Cool, supercool!"
Ob die Pauschalurlauber wohl in die Zielgruppe des Fünf-Sterne-Schiffs passen? Anspruchsvolle Gäste will die Reederei an Bord locken, vorwiegend Paare und Singles und im Schnitt zwischen 45 und 50 Jahre alt. Immerhin: 80 Prozent ihrer Passagiere werden aus Großbritannien erwartet. Und das Schiff? "Wir wollen nicht klassisch europäisch sein, sondern einzigartig", tönt Dan Hanrahan, CEO von Celebrity Cruises.
"Cool" sei die "Eclipse", sagt dazu Hoteldirektor Simon Weir, "supercool! Der iPad des Schiffsdesigns!" Wie praktisch, dass sich i-Erfinder Apple auch gleich auf Deck 6 einquartiert hat: Die iLounge preist die Reederei als eine der Neuerungen auf ihrem dritten Schiff der Solstice-Klasse an, die alle der Papenburger Meyer-Werft entstammen.
Die iLounge löst zum einen das bisherige Internetcafé ab, ist zum anderen einfaches Fachgeschäft, aber auch Unterrichtsraum für Apple-Beginner: "Wer hat einen Mac zu Hause?", animiert Warren Francisco, 32, aus Kanada seine Schüler. "Gimme high five!" Er klatscht gegen die Hände stolzer Apple-User, bevor er das Geheimnis der "Dia-Show" lüftet.
Ein Deck tiefer führt Junior Moreno die Passagiere in die Geheimnisse der "Molecular Mixology" ein, der modernen Cocktailkunde. Der 32-jährige Mexikaner schreckt vor keiner Kombination zurück: Für seinen "South of the Rio" mixt er Cachaca mit Jalapenos, würzt mit Hibiskus-Rosen-Extrakt und garniert ihn mit Gurken-Basilikum-Schaum - ein scharf-saures Vergnügen für zwölf Dollar.
Bei der interaktiven Vorstellung dürfen auch die Zuschauer mal shaken. Und gelegentlich lässt Moreno, der in New York mehrere Bars und ein Labor zur Cocktailforschung führt, ein wenig Stickstoffnebel über seine Kreation gleiten - ungewollt ganz im Zeichen des Vulkans.
13.000 Mahlzeiten in 13 Küchen
Die "Shows" von Moreno und Francisco sind Teil von "Celebrity Life", eines Ende vergangenen Jahres auf den Solstice-Schiffen einführten Programms, das den Passagieren zwischen Land- und Dinner-Gängen die Zeit vertreiben soll. Bisher auf Kreuzfahrtschiffen eher einmalig sind die Pantry-Führungen, bei denen sich den Gästen die volle Stahlpracht hinter den durchdesignten Speisesälen erschließt.
"13.000 Mahlzeiten am Tag werden in 13 Küchen zubereitet", sagt Steve van der Merwe, oberster Chef von 185 Köchen, "180 Tonnen Nahrungsmittel benötigen wir für eine Zwölf-Tage-Fahrt, dabei wird das Fleisch ausschließlich aus den USA eingeführt." Hinter den Tresen zischt es - und ein wenig raucht es auch hier.
Serviert wird in den zehn Restaurants der "Eclipse" vom Buffetrestaurant "Oceanview Café" (licht und angenehm schlicht) auf Deck 14 über das Hauptrestaurant "Moonlight Sonata" (hell, aber prunkvoll) auf Deck 3 und 4 bis zum Experimental-Restaurant "Qsine" auf Deck 5. Dort wird Sushi in Lolli-Form gereicht, die Erbsensuppe im Reagenzglas, und der "Disco Shrimp" liegt auf einem rot-pulsierendem Leuchtbett.
Ebenso speziell wie die essbaren Kreationen ist hier die Einrichtung, eine Mischung aus orangefarbenem Siebziger-Jahre- und japanischem Sushi-Bar-Stil - irgendwie "cool". Buchstäblich "supercool" ist die ganz in Weiß gehaltene Martini-Bar: Der Tresen, der die Martini-Cocktails kühlhalten soll, besteht aus reinem Eis.
70 Prozent mehr Deutsche an Bord
Ob gerührt oder geschüttelt, die Martinis der "Eclipse" und ihre bisher zwei Schwesterschiffe sollen nicht nur Briten - oder Amerikanern - schmecken. Die US-Reederei Celebrity Cruises, deren Heimatmarkt nach glorreichen Jahren schwächelt, ist dringend auf neue Märkte angewiesen.
Beim Mutterkonzern Royal Caribbean sei im vergangenen Jahr der Gewinn um zwölf Prozent eingebrochen, sagt Dan Hanrahan. Europas Hochseekreuzfahrt-Reedereien legten dagegen enorm zu. Für 2010 hofft Hanrahan auf ein Plus von drei bis sechs Prozent und lässt sechs seiner zehn Celebrity-Schiffe im Sommer in Europa kreuzen, einem Markt mit viel Potential, wie er sagt.
Nur fünf bis sechs Prozent machen bisher deutsche Gäste auf den Kreuzern der Century-, Millenium- und Solstice-Klasse aus. Denn wer auf den US-amerikanischen Schiffen das volle Angebot nutzen will, sollte schon der Bordsprache Englisch mächtig sein - und sich in einer internationalen Gästeschar wohl fühlen. Das können und wollen aber immer mehr: Um 70 Prozent auf 22.000 im vergangenen Jahr stieg die Zahl der deutschen Kunden bei Celebrity, sagt Tom Fecke, Royal-Caribbean-Geschäftsführer für Deutschland.
Vielleicht sollte sich Richard D. Fain beim nächsten Vulkanausbruch und dem nächsten neuen Schiff - 2011 kommt die nächste Solstice-Schwester "Celebrity Silhouette" - der gestrandeten Deutschen annehmen. Das wäre eine Investition in einen momentan einzigartig boomenden Markt: In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der deutschen Kreuzfahrer verdreifacht.
