Keine Spur von Krise also? „Kreuzfahrten gehören zu den großen Gewinnern in der Touristik. Im Gegensatz zu Pauschalreisen konnten Kreuzfahrten auch 2009 weiter zulegen, und die Planzahlen der Reedereien sehen für 2010 weitere Steigerungen vor“, erklärt Shahram Sadatel, Marketingmanager der Cunard Line. Dabei hilft vor allem, dass der Markt noch nicht ausgeschöpft ist und es gelungen ist, neue Zielgruppen zu erschließen. Während einer Kreuzfahrt noch vor einigen Jahren etwas konservatives, leicht Altbackenes anhaftete, ist sie heute sogar für junge Menschen und Familien attraktiv: „Die Leute lieben die Unterhaltung, die es an Bord der großen, modernen Schiffe gibt. Und dass es dabei eigentlich egal ist, welches Wetter draußen ist.“
Finanzkrise wirkt sich erst zeitverzögert aus
Doch man darf sich vom derzeitigen Boom auch nicht vorschnell blenden lassen. Die Auswirkungen der Finanzkrise könnten in der Kreuzfahrtbranche erst mit einer gewissen Zeitverzögerung auftreten: „Es ist nicht so, dass wir uns zurücklehnen und sagen: Das juckt uns alles nicht. Wir werden den Markt 2010 schon ganz genau beobachten müssen“, erklärt MSC-Manager Rost. Auch Tomas Fecke, General Manager der US-Reederei Royal Caribbean, räumt ein, dass man sich jetzt erstmal darauf konzentrieren wird, die vorhandenen Schiffe profitabel zu machen und sich mit Aufträgen für Neubauten zurückhalten wird: „Wachstum auf Teufel komm raus ist nicht immer das Maß aller Dinge.“ Dass die US-Reederei mit dieser Einstellung nicht alleine dasteht, bestätigt Peter Hackmann, Pressesprecher der Meyer-Werften in Papenburg: „Während in den Boom-Jahren, so vor ein, zwei Jahren, relativ viele Schiffe neu bestellt wurden, ist letztes Jahr von den Reedereien kein einziges neues Schiff bestellt worden. Der Markt für Neubauten war in den letzten 12 bis 15 Monaten also praktisch tot.“ Bis 2012 ist die Werft zwar noch mit acht Aufträgen ausgelastet, doch was danach kommt, ist bisher unklar.
Zweckoptimistisch in die Zukunft
Trotz dieser Unsicherheiten verliert auch Hackmann seine grundsätzliche Zuversicht nicht: „Es werden auch in Zukunft neue Schiffe gebaut werden.“ Alle – das heißt Analysten, Experten, Reedereien und auch Werften – gehen davon aus, dass der Kreuzfahrtmarkt stetig wachsen wird. Die Gretchenfrage lautet allerdings: Wie viele Aufträge für neue Schiffe werden es am Ende pro Jahr sein? Denn eines ist sicher: Die Zeiten der zweistelligen Wachstumsraten in der Kreuzfahrtbranche sind vorbei.
Quelle: focus.de