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THEMA: Bericht über die Jungfernfahrt der AIDAluna

Bericht über die Jungfernfahrt der AIDAluna 06 Apr 2009 22:16 #3268

Auf der Jungfernfahrt verabschiedet sich das Clubschiff Aidaluna von seinem alten Konzept – und offenbart neue, erstaunliche Schwächen.

Von FOCUS-Redakteur Matthias Kowalski

Aidaluna Video-Wände mit LED-Technik unterhalten auch auf dem Pool-Deck
Hier stimmt etwas nicht. Man merkt es erst nach einem Tag und einer Nacht an Bord. Wenn sich Ehrfurcht und Staunen gelegt haben über dieses Schiff, seine 1025 Kabinen, 13 Decks, Ausblicke, Fensterfronten und 607 Mann Besatzung sowie 6400 Quadratmeter Sonnendeck, den laut Prospekt größten schwimmenden Wellness-Bereich auf See, sieben Restaurants und ein Kino, in dem zu 3-D-Filmen aus Düsen Nebel wabern und Wind blasen kann. „Ist das nicht ein tolles Schiff?“, fragt Stephanie von der Rezeption („Ja, gerne“ prangt an ihrem Namensschild). Ja sicher, Stephanie, ein ganz tolles Schiff. Scheint so.

Krisensicheres Partyschiff

Mit der Aidaluna schickt die amerikanische Reederei Carnival für ihre deutsche Tochter Aida das sechste Schiff auf die Meere. Zwei Milliarden Euro investiert der Konzern in den Flottenausbau der sogenannten Clubschiffe, der 2012 mit dann insgesamt neun Aidas vorerst abgeschlossen sein soll. Tatsächlich ist die Flotte mit dem Kussmund am Bug allen davongebraust, seit Horst Rahe im Jahre 1996 die Idee mit den ersten rein deutschsprachigen, schwimmenden Locker-leger-Partyschiffen ohne Anzugzwang, Cocktailkleider und das Captain´s Dinner klassischer Kreuzfahrten hatte.

Jungfernfahrt zum Ballermann
Schwimmende Wellness-OasenVon einer Million Schiffsgästen in Deutschland heute steigt jährlich knapp die Hälfte in den Bauch einer Aida. Seit Jahren schon beeindruckt die Rostocker Carnival-Tochter mit zweistelligen Wachstumsraten. Auch in Zeiten des Terrors vom 9. September 2001, trotz SARS, Vogelgrippe oder geplatzter New-Economy-Blase bahnten sich die Aidas ihren Weg durch stürmische See. Selbst in diesem Krisenjahr seien seine sechs Schiffe bereits zu 80 Prozent ausgebucht, verkündet Aida-Präsident Michael Thamm stolz.

Verfolgungsjagd mit „Mein Schiff“

Die TUI startet erst mit einiger Verspätung die Verfolgungsjagd im deutschen Kreuzfahrtsegment: Im Mai lässt sie „Mein Schiff“, die umgebaute Galaxy der US-Reederei Celebrity, von den Leinen. Die Aidaluna (Kosten 315 Millionen Euro) ist nach der Diva und der Bella das nunmehr dritte baugleiche Schiff mit dem markant blauschimmernden, haushohen Glaszylinder in der Schiffsmitte aus der Papenburger Meyer-Werft. Sie gilt auch technisch wie designmäßig als der letzte Schrei. „Ein paar Kinderkrankheiten“ der Vorgänger seien korrigiert worden, berichtet Kapitän Lutz Leitzsch, ein munterer 59-Jähriger aus Thüringen. Leitzsch weiß, wovon er spricht, denn er ist seit 1996 bei Aida und steuerte auch schon die älteren Schwestern Diva und Bella.

Tatsächlich haben die Papenburger zusammen mit dem Hamburger Schiffs-Designer Partnership einige Sichtachsen rund um das offene Mitteltheater über drei Stockwerke optimiert. Und die Farben des ganzen Schiffs wirken im Grundton Orange heller, nicht greller. Auch der Ruhebereich neben den drei Saunen ist endlich besser aufgeteilt.
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Aw: Neuigkeiten der AIDAluna 06 Apr 2009 22:17 #3269

Orkan gleich bei der Jungfernfahrt Aidaluna Da kommt Kribbeln auf

Drei weitere dieser 252 Meter langen Stahlkolosse sollen folgen, als nächste die Aidablu im Februar 2010 mit eigener Brauerei an Bord und Kabinen mit direktem Zugang zum Spa-Bereich. Zum ersten Mal startet bei den Aidas diesmal eine Jungfernfahrt vor der eigentlichen Schiffstaufe. 3100 Euro Katalogpreis pro Person mussten die Premieren-Passagiere in der Standard-Balkonkabine (14,5 Quadratmeter) für 14 Nächte von Hamburg rund um Westeuropa bis nach Palma de Mallorca zahlen. Gestürmt hat es dann in der Nordsee vor der französischen Küste. Im Hafen von Le Havre konnte die Aidaluna deshalb nur verspätet festmachen.

Abnehmer für Spuckbeutel

Sani und Ben aus Hannover haben deshalb ihren Ausflug nach Paris verpasst. „Egal“, sagt Sani sichtlich erleichtert, „ich war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.“ Vor der portugiesischen Küste erwischt dann ein Orkan mit Windstärke neun die Schiffsjungfer samt Beladung. Papiertüten mit dem netten Aufdruck „Spuckbeutel“ finden dankbare Abnehmer. Danach beruhigt sich das Wetter, die Sonnendecks und drei Außenpools füllen sich und vor der spanischen Atlantikküste bestaunen sogar neugierige Grindwale die Luna mit ihren Gästen (und andersherum).

Und ja, so braucht es schon etwas mehr Einblick, um die wirklichen Schwachstellen der Aidaluna zu finden, denn vieles können die Rostocker echt gut: Organisieren zum Beispiel. An- und Abreise klappen wie am Schnürchen – von stundenlangem Chaos zwischen Menschen, Koffern, Bussen und Taxis wie etwa bei den Costa-Schiffen im italienischen Hafen Savona üblich oder bei den US-Reedereien Royal Caribbean sowie Carnival in Miami beziehungsweise Fort Lauderdale keine Spur.

Oder der Saunabereich der Aidaluna: Keine dunklen, muffigen Holzlöcher im Schiffsbauch, sondern eine große finnische Sauna sowie eine angenehme Aroma-Sauna jeweils mit fantastischem Blick aus Deck 12 übers Meer. Zusätzlich ein Dampfbad, sowie eigener FKK-Bereich, Ayurveda-Anwendungen von indischen Fachkräften, fest montierte Ferngläser an der Reeling. Die coolen Hängematten auf den Privatbalkonen der Kabinen. Oder die Bike-Station an Bord: einfach Klasse, direkt vom Schiff aus Küste, Land und Städte zu durchradeln. Oder die Video-Wände mit LED-Technik im Theatrium innen oder außen auf dem Pool-Deck.
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Aw: Neuigkeiten der AIDAluna 06 Apr 2009 22:22 #3270

Ohrenstöpsel und langweiliges Essen Aldiana ... oder in die Sushi-Bar

Und ja, so braucht es schon etwas mehr Einblick, um die wirklichen Schwachstellen der Aidaluna zu finden, denn vieles können die Rostocker echt gut: Organisieren zum Beispiel. An- und Abreise klappen wie am Schnürchen – von stundenlangem Chaos zwischen Menschen, Koffern, Bussen und Taxis wie etwa bei den Costa-Schiffen im italienischen Hafen Savona üblich oder bei den US-Reedereien Royal Caribbean sowie Carnival in Miami beziehungsweise Fort Lauderdale keine Spur. Oder der Saunabereich der Aidaluna: Keine dunklen, muffigen Holzlöcher im Schiffsbauch, sondern eine große Finnische Sauna sowie eine angenehme Aroma-Sauna jeweils mit phantastischem Blick aus Deck 12 übers Meer. Zusätzlich ein Dampfbad, sowie eigener FKK-Bereich, Ayurveda-Anwendungen von indischen Fachkräften, fest montierte Ferngläser an der Reeling. Die coolen Hängematten auf den Privatbalkonen der Kabinen. Oder die Bike-Station an Bord: Einfach klasse, direkt vom Schiff aus Küste, Land und Städte zu durchradeln.Oder die Video-Wände mit LED-Technik im Theatrium innen oder aussen auf dem Pool-Deck.

Schwimmende Wellness-Oasen Rumpeln in der Kabine

Aber dann dies: Es rumpelt in der Kabine. Richtig laut. Die vier Dieselmotoren lassen ab dem Mittschiff die Kabinen erzittern und rauben vielen Passagieren ihre Nachtruhe – vor allem in den niedrigeren Decks. Doch ein Ehepaar aus Düsseldorf schwört, sie würde der Maschinenlärm sogar bis zum Deck acht hinauf nerven. Die Rezeption hat offenbar Anweisung, sofort Verständnis für den Krach zu äußern („ja, das ist im hinteren Schifssteil so“) und allen Gästen mehrmals Ohropax zu offerieren. Dabei, liebe Meyer-Werft und Schiffsdesigner von Partnership, läßt sich der Schall in den Kabinenlängst sehr effektiv dämmen, wie andere Neubauten (Freedom of the Seas, Eurodam) vormachen.

Geschmacksneutrales Essen

Oder dies: „Es ist immer wieder das gleiche“, sagt Magdalena, eine ehmalige Kurdirektorin von der Küste, über das Essen.Selbst das Menü mit vielen Gängen im vermeintlichen Gourmetrestaurant Rossini (mit Aufpreis) konnte sie nicht überzeugen: „Zu wenig Würze, zu wenig Pfiff“. Die Meinung kriegt man erstaunlich oft bestätigt. Auch in den vier Buffet-Restaurants überwiegt das kulinarische Mittelmaß.Herrmann, seit Jahren Aida-Stammgast aus dem Rheinland, findet den Kaffee an Bord so unterirdisch („selbst den frischen aus den WMF-Automaten an den Bars“), dass er für die zwei Wochen auf der Aidluna zum Teetrinker konvertiert ist.

Labyrinth mit Sackgassen

Oder zur Innenaufteilung: Warum muss man ein Schiff mit so vielen Sackgassen und Umwegen bauen, in denen sich die Gäste selbst nach zwei Wochen noch verlaufen?
Warum setzt man auf das FKK-Sonnendeck zwei Whirpools, vergisst aber die Duschen (willkommen im Schweißbad)? Warum drei winzige Pools am Oberdeck, die ab zwei Personen schon überfüllt sind, statt eines größeren? Kein Wunder auch, dass wieder niemand auf dem gelbmarkierten Jogging-Parcours zu sehen ist: Die schmale Strecke ist zunächst ein schienbeingefährlicher Hindernislauf zwischen Menschen und Liegen und schlängelt sich dann kurioserweise inengen Serpentinen Richtung Schiffsschornstein empor.

Diskrepanz zwischen Alter und Stil

Robert, ein Mittvierziger aus dem Sauerland und ebenfalls Stammkunde auf Aidas, ist diesmal von den Gästen enttäuscht. Der lockere Hobbyfotograf macht kein Hehl daraus, dass er auf Partnersuche ist, „aber auf der Luna gibt es keine Auswahlfür mich, die sind doch alle zu alt“. Das Management erinnert, dass das Durchschnittsalter auf dieser längeren Jungfernfahrt um die 50 liegt und schon zur Oster-Tour 440 Kinder an Bord toben. Bleibt die Frage, was die Ausnahme ist und was eher die Regel an Bord der Aidas 2009? Zwischen Gästen und Schiff klafft eine greifbare ästhetische Diskrepanz: Stylischer Einsatz von Teakholz, Blattgold, Chrom und Farbe kontrastiert mit dem vorherrschenden Bauchansatz, viel Oberweite in Schlabbershirts und erschreckenden Socken in Sandalen. Das läßt sich nett als locker-leger beschreiben oder doch als eher nachlässig. Fast wünscht man sich den Anzugzwang herbei.

Und in Wahrheit entpuppt sich die Aidaluna auf dieser Fahrt dann als ein Clubschiff ohne noch Club zu sein: 2000 Gäste reden sich überwiegend mit Vornamen an, aber die meisten siezen sich. Zufällige Kontakte an Achtertischen gibt es kaum,
man speist eher pärchenweise separiert an kleineren Tischen. Bis auf wenige Ausnahmen wie bei Abendshows oder Landausflügen muss man nicht wirklich anderen Gästen näher kommen. Die spärlichen Borddurchsagen vermitteln auch
nicht mehr Wir-Gefühl als auf anderen Kreuzfahrtschiffen. Das sei früher schon anders gewesen. Wahrscheinlich sind die Schiffe für ein echtes Clubleben einfach zu groß“. Das kann auch an den vielen geladenen Gästen
und VIPs liegen, die nach und nach zusteigen.
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