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THEMA: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York

Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 20 Mär 2012 21:11 #29405

Hallo liebe Forumsgemeinde,

bitte, bitte wieder hinsetzen. Hier folgt zwar jetzt mein Reisebericht, aber ich bitte um Verständnis, dass in der Kürze der Zeit seit unserer Rückkehr noch keine Fotos dabei sind. Ich reiche sie nach, sobald wir uns durch 1800 Aufnahmen gewühlt haben. ein-tausend-acht-hundert.
Außerdem gliedere ich meinen Reisebericht etwas anders als gewohnt. Ich berichte nicht Tag für Tag, sondern ich schreibe unter verschiedenen Kategorien. Also z.B. Das Schiff, Die Kabine, Die Inseln und Landausflüge, Die Kabine.
Diese Einteilung hat den Charme, das spätere Leser, die auf der Suche nach bestimmten Informationen sind, sich nicht durch den ganzen Bericht lesen müssen, sondern gleich das Gewünschte in der entsprechenden Kategorie finden.

Beginnen möchte ich mit der An- und Abreise und, natürlich DEM Schiff. :sensation: Viel Spaß beim Lesen. (Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie selbstverständlich behalten.)

Reisebericht New York- Karibik 3.3. bis 17.3.2012, Celebrity Silhouette

An- und Abreise
Kennt jemand das Gefühl, am Abend eines langen Reisetages in das letzte von vielen verschiedenen Verkehrsmitteln einzusteigen, nämlich in jenes, welches einen am endgültigen Reiseziel absetzen wird und sich dabei zu fragen, wann denn nun endlich mal was schief geht? Bei uns war dieses letzte Verkehrsmittel des ersten Reisetages der Shuttlebus „Olympia Express“, der uns vom Flughafen Newark zu unserem Hotel nach Manhattan brachte. Bis hier hin, bis vor das Terminal B, hatten wir es ohne Panne geschafft. Kein Flieger war zu spät irgendwo gestartet, keinen Anschlussflug verpasst, unser Gepäck war mit uns in die USA eingereist, der Beamte der Heimatschutzbehörde hatte uns einen angenehmen Aufenthalt gewünscht, im Flieger saßen die wenigen weinenden Kinder weit genug von uns weg, kein Störenfried in den Reihen vor oder hinter uns. Nichts. Absolut gar nichts. Uns beschlich tiefste Verunsicherung. Getreu dem deutschen Hellseherinstinkt „Geht nicht, gibt’s nicht – irgendwas muss schief gehen!“ saßen wir mit nachdenklich gekräuselten Oberlippen in eben jenem Bus. Und erlebten – nichts. Wenn man denn die gleißende Skyline von Manhattan als Nichts bezeichnen darf.
Beide Hinflüge, also Dresden- München und später dann München-Newark wurden von Lufthansa mit dem gewohnt guten Service durchgeführt. Nur dass neun Stunden eben neun lange Stunden werden, wenn man in so einer Röhre über dem Atlantik hockt. Dank einiger netter Hinweise von erfahrenen Langstreckenfliegern, nutzten wir die relativ nah gelegene Treppe zu den Toiletten für regelmäßige Lockerungsübungen. Ansonsten half uns Musik, Bilder, Zeitungen, Schlafen und Wolken gucken. Das war überhaupt das Schönste während des endlosen Sitzens. Denn Wolken werden niemals langweilig. Ich habe unterwegs die tollsten Landschaften aus Watte entdeckt. Da waren tiefe Canyons, spitze Kegel, kreisrunde Trichter, die aus Treibsand zu bestehen schienen, da waren jede Menge Tiere. Ja, im Ernst! Ich habe ein träumendes Krokodil gesehen, eine Katze, ein Schwein. Ein ganzer Zoo. Erstaunlich, wie die sich bei den Außentemperaturen halten können.
Kurzum, die Anreise erfolgte tagsüber, daher landeten wir zur besten Dinnertime in Amerika. Als der Bus schließlich am Port Authority an der 42. hielt und es war immer noch nichts schief gegangen, da schließlich resignierten wir.
Die Abreise? Tja, wie soll ich das jetzt erklären? Wir erreichten unseren Heimflug, der ebenfalls wieder in Newark startete, pünktlich. Das war aber auch nicht schwer, denn unser Schiff legte morgens in Cape Bayonne an und der Flieger startete abends kurz vor halb zehn. Dieser landete dann selbstverständlich überpünktlich in München, wir erreichten unseren Anschlussflug, in Dresden warteten neben dem bestellten Taxi auch unsere Koffer auf uns ….Reisen muss nicht anstrengend sein.
Der Rückflug war ein Overnight, und das war auch gut so. Denn nach 12 Tagen auf See, einem anschließenden St-Patricks-Day in Manhattan und einem Shoppingmarathon in letzter Minute hatten wir uns nun wirklich etwas Schlaf verdient. Und auch das hat, raten Sie, reibungslos geklappt. Es ist mir ja selbst schon peinlich, glauben Sie mir.
Aus Gründen, die nur mein Mann verstanden hatte, dauerte der Rückflug nur 7,5 Stunden. Was ich aber als ausgesprochen angenehm empfand, da es mich nun doch mit aller Macht nach Hause zog. Zu unseren Katzen.


Das Schiff

Natürlich wussten wir, dass wir auf einem großen Schiff die nächsten 12 Tage verbringen würden. Und natürlich wussten wir nach knapp anderthalb Tagen in New York auch, was Amerikaner unter „groß“ verstehen. Aber als uns dann der Bus vom Einschiffungsterminal zum Pier brachte, glaubten wir es auch.
Da lag sie. Die Celebrity Silhouette. Ganz strahlend, ganz allein, ganz still. Sieht man mal von dem Bienenstock in ihrem Bauch ab.
Schon während des Wartens vor dem Check-Inn Schalter fragten wir uns, wohin in Gottes Namen die Leute alle wollten! Doch nicht etwa auf „unser“ Schiff? Huch, da rutschte es uns schon zum ersten Mal über die blauen Lippen (4°C Außentemperatur, da half auch die strahlende Sonne nicht). Das verzaubernde „unser Schiff“. In den nächsten Tagen sollten wir das mit absoluter Selbstverständlichkeit sagen und denken.
Also, wie sollten diese tausende Menschen alle auf das eine, unser! Schiff passen? Ganz einfach. Es ist GROSS! Das spürten wir schon mit der ersten Fahrt in einem der acht Panoramalifte. Wir wurden auf Deck 2 freundlich hineinbugsiert, uns wurde erklärt, dass der Lift jetzt bis auf Deck 14 fährt und ab die Touristen-Post. Warum das 14. Deck? Ganz einfach: Herzlich Willkommen im Oceanviewcafé, ihrem freundlichen Büffetrestaurant für alle und auch die verpassten Gelegenheiten. Am Einschiffungstag wurde hier der Begrüßungslunch gereicht und alle, alle kamen sie. Saßen da mit Handgepäck und tellerrunden Augen, lauschten auf die ersten Gesprächsfetzen rechts und links, spähten mit vollem Mund zu den Desserts und verschluckten sich zum ersten Mal am teuflisch heißen Kaffee.
Uns gefiel die Einrichtung auf Anhieb. Eine Mischung aus ultramodern und siebziger-Jahre Farbgebung. Fröhlich, heiter, unkompliziert.
Die Fahrt in besagtem Panoramalift erlaubte uns denn auch gleich einen ersten Blick auf diesen Baum!!!! Mitten in dieser, tja, wie nennt man einen Raum, der so hoch ist wie 10 Decks - Kuppelhalle? Also, da steht ein Baum. Nein, er steht nicht, er hängt. Nein, auch falsch. Er steht ja in einem riesigen Kübel. Mit Erde. Aber dieser Kübel hängt mitten in der zentralen Halle. Es gibt ja Fotos davon, wenn Sie es mir nicht glauben, und nein, es ist keine Montage. Aber das ist ja noch nicht genug des Größenwahns. Dieser Baum ist ein Fikus. Jaaahhh! Meine Damen, wir alle kennen diesen hinterhältigsten aller Wohnzimmerschmarotzer. Genau, der krüppelige kleine Mistkerl, der sofort alle seine Blätter von sich wirft, wenn auch nur ein einziges, winziges Lüftlein um seine krummen Zweige schwirrt. Oder wenn das Tageslicht plötzlich zu wenig oder zu viel ist. Oder wenn das Gießwasser plötzlich zuviel oder zu wenig Dünger enthält. Oder wenn negative Weibräischens in der Luft hängen. Oder wenn der Lieblingsverein abgestiegen ist. Oder …wasweißich. Und entgegen aller verzweifelten und sorgfältig zurecht gelegten Begründungen, warum so eine Staude zu Hause regelmäßig in die ewigen Pflanzengründe aufsteigt, steht da ein Exemplar einfach so im Bauch dieses Ozeanriesen. Wackelt mit den Zweigen, wenn das Schiff wackelt, lässt Sonnenschein durch seine zahlreichen grünen Blättchen sickern, wenn es von ganz oben in den Schacht fällt und winkt jedem vorüberrauschenden Lift gleich bleibend schön hinterher. Unverschämtheit! Nein, er ist nicht künstlich! Wenn ich es Ihnen doch sage!
Aber auch die restlichen Decks und Räumlichkeiten des Schiffes haben uns echt begeistert. Überall gab es etwas zu sehen. Sich an Bord zu orientieren ist ganz leicht. Dank dieser enormen Kuppelhalle, Sie wissen schon, die mit dem Baum, die sich mittschiffs befindet. Von den dortigen Fahrstühlen waren die Wege bis zum Bug oder Heck gleich lang, gleich interessant, gleich abwechslungsreich. Bibliothek, i-Lounge, viele, viele und noch mehr Shops, das Casino, Restaurants und Cafés, Bars, ein Fotostudio, eine Disco. Wir erkundeten am ersten Tag die Decks 14 bis 7. Warum? Weil wir wie erwähnt zur Einstimmung auf Deck 14 ausgesetzt wurden und weil es bereits kurz nach 13.00 Uhr hieß „Kabinen frei!“ Und unsere Kabine befand sich Deck 7. Da die Fahrstühle nach dieser fulminanten Eröffnung via Lautsprecher von Amerikanern geflutet wurden, die bis an die Räder ihrer rollenden Sessel bewaffnet waren (mit Taschen und Gehhilfen), gingen wir zu Fuß. Das ergab bereits weitere erstaunliche Einblicke in dieses Verkehrsmittel. So entdeckten wir, in der Kuppelhalle stehend, das Pooldeck über unseren Köpfen. Das befindet sich auf Deck 15, aber Dank riesiger Glasscheiben, die ich ganz bestimmt nicht putzen möchte, konnte man morgens auf dem Weg zum Frühstück schon den armen Verzweifelten beim Joggen zuschauen. Der Joggingparcour erstreckt sich einmal rund um den Pool. Nein, ich hatte kein schlechtes Gewissen ob meiner ausdauernden Abwesenheit bei dieser Form der Körperertüchtigung. Ich hatte schließlich die perfekte Ausrede: „Sportzeug vergessen.“
Uns gefielen dafür ausgesprochen gut die verschiedenen Bars. Jede einzelne war ganz individuell und sehr geschmackvoll eingerichtet. Die Ensemble-Bar, um ein Beispiel zu nennen, erkoren wir in den letzten Tagen der Kreuzfahrt zu unserer Lieblingsbar. Wie in den Kulissen eines Miss-Marple-Krimis genossen wir dort abends einen Drink. Dunkle, schwere Möbel, Samt, Gold und Brokat. Dazu Jazz oder klassische Musik, natürlich live von ausgezeichneten Künstlern dargeboten. Sehr gediegen, sehr edel. Warum wir diese Bar erst in den letzten Tagen zu unserem Favoriten kürten? Ganz einfach. So lange haben wir gebraucht, um alle anderen Bars zu testen. Trinken Sie sich mal in nur 12 Tagen durch etwa 8 oder 9 Bars. Hab sie nicht zu Ende gezählt.
Auf das große Hauptrestaurant, das Grand Cuvee gehe ich beim Thema Essen ein. Außerdem gibt es noch ein weiteres großes, und natürlich viele kleine, Restaurants, in die wir es aber aus verschiedenen Gründen nicht oder nur selten geschafft haben.
Den Fitnessbereich habe ich nur kurz in Augenschein genommen. Alles machte einen sehr gepflegten und gut nutzbaren Eindruck. Jedenfalls waren ständig einige hoffungsvolle Passagiere in ihrem verzweifelten Kampf gegen das drohende Über-Gepäck zu beobachten.
Ähnliches kann ich für den Spa Bereich sagen. Den habe ich nicht selbst genutzt, da die Kosten doch erheblich waren und das schöne Wetter mich schlicht nach draußen lockte. Ich gehe auch in Deutschland nicht im Sommer in die Sauna, warum sollte ich also auf so einer Reise damit anfangen. Aber alle, mit denen ich über den Spa gesprochen habe, waren restlos begeistert, also entscheiden Sie ruhig selbst.
Unmittelbar vor dem Spa gibt es auch einen Beautybereich. Und da mich nach einigen Tagen der unermüdlichen Faulenzerei die Trägheit derart am Boden hielt, dass ich sogar zum Haare waschen zu faul war, gönnte ich mir einen Frisörbesuch. 56 Dollar für waschen und fönen. Das war ein Fehler. Nicht das Geld, aber die „Behandlung“. Ganz ehrlich, noch nie sind meine Haare und meine Kopfhaut derart traktiert worden. Das Mädchen wollte mir offensichtlich die Farbe aus den Haare rubbeln, aber mit meinem schlechten Englisch konnte ich ihr nicht begreiflich machen, dass ich die für viel Geld absichtlich in die Haare habe hineinbringen lassen. Wissen Frisöre eigentlich, dass wir Kunden ihr Gesicht im gleichen Spiegel sehen können, wie sie das unsrige? Das Mädel jedenfalls erzählte mir stumm, mit hängenden Augenlidern und träge mahlenden Kiefern (Kaugummi), dass alles Übel dieser Welt auf ihren Schultern lastete. Die Ärmste.
Okay, Haken dran. Ich sage auch gleich und sehr gern dazu, dass das der absolut einzige Kritikpunkt an dieser Reise war. Nothing else.
Was gibt es sonst noch zum Schiff zu sagen? Noch ein paar Stichworte vielleicht?
Liegen am Pool: ausreichend und sehr gemütlich!
Auf Deck 15 vorn hat man Zugang zum Solstice Deck, was dann eigentlich schon Deck 16 ist. Dort vorn war es immer ruhig, sehr angenehm und ebenfalls noch mehr Liegen. Nur hin und wieder etwas windiger.
Am Heck des Schiffes konnte man im Oceanviewcafé auch gut draußen sitzen und Wind, Sonne und mehr Meer genießen.
In der Bibliothek gibt es auch ein paar deutsche Bücher. Und es werden vielleicht von Fahrt zu Fahrt mehr, da alle Passagiere am Ende der Reise aufgerufen sind, ihre Bücher, die sie nicht mit nach Hause nehmen wollen, an Bord zu lassen. Diese Bücher werden dann inventarisiert und stehen fortan allen Gästen zur Verfügung. So bin ich in den wunderbaren Lesegenuss eines Kreuzfahrtbuches von Andreas Lukoschik gekommen: „Schläft das Personal auch an Bord?“. Eine Lektüre, die ich uneingeschränkt empfehlen kann, egal, ob schon vorab oder so wie ich, in den ersten Tagen auf See. Man lernt eine Menge. Und kann gleich live vergleichen, ob er auch nicht übertreibt. Tut er nicht. Untertreiben übrigens auch nicht.

..Fortsetzung folgt


viele Grüße, Happy
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Aw: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 20 Mär 2012 21:24 #29406

Wie kann man nach der Rückkehr so schnell die Zeit finden, so ausführlich zu berichten :sensation: :verdacht: :applaus:
Statt an meinem RB zu arbeiten, hab ich mich in deine Beschreibungen versenkt :huh:
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LG Moni :)


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Aw: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 21 Mär 2012 10:18 #29409

Danke für den Bericht, erster Teil. Wir fahren am 29.03.12 die Tour und sind schon ganz kribbelig. Ich bin natürlich auch neugierig auf den Rest aber falls der nicht mehr rechtzeitig kommt, kann ich ja dann selber berichten :).
Ich werde das Forum aber im Auge behalten * grins * .
  • Mave
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Aw: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 21 Mär 2012 14:18 #29413

Toller Bericht, freue mich schon auf den Rest und ein paar Bilder.
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Aw: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 21 Mär 2012 21:26 #29426

Liebe Mave, ich gebe mein Bestes und werde versuchen, bis zu eurer Abreise noch einiges einzustellen. Hier kommt jedenfalls der nächste Teil:


Die Inseln und die jeweiligen Landausflüge

1.Sint Maarten/ Saint Martin

Nach drei Tagen auf zum Teil wirklich hoher See erreichten wir als erste Insel das Holländisch-Französische Kleinod Sint Maarten. Wenn wir schon nach so kurzer Zeit unter schweren Landmassenentzugserscheinungen litten, wie irrsinnig vor Glück müssen dann erst die Entdecker der Inseln gelacht haben, als sie nach Monaten zwischen Wasserbergen und Stürmen dieses Paradies fanden? Wir standen jedenfalls mit klopfenden Herzen auf Deck 15 und beobachteten, wie das Schiff in einem eleganten, aber unspektakulären Bogen schlicht geradeaus in Phillipsburg einparkte. Okay, wir waren auf einem großen Schiff und der Holländer neben uns, die Prinsendamm, wirkte irgendwie niedlich, aber ansonsten war es das. Was hatten wir erwartet?
Aber egal, flugs gefrühstückt und dann ab an Land. Zunächst fuhren wir mit einem Sammeltaxi nach Marigot im französischen Teil. Ein hübsches kleines Hafenstädtchen, in dem wir einfach erstmal bummelten und unsere Sinne auf karibische Parameter einstellten. Wie riecht es hier? Bunt. Bunt? Ja, bunt. Von allem etwas. Salzwasser, warmer Asphalt, Motoren mit zu wenig Öl, Frittierfett, Obst, Knoblauch, verschüttetes Bier, warmer Staub, frische Croissants. In unmittelbarer Nähe der Marina entdeckten wir eine Art Konsumtempel. West India…irgendwoher. Marmor, Gold, Glas, klimatisiert natürlich und im Gegensatz zum gegenüber liegenden Markt fast menschenleer. Die Erklärung war schnell gefunden. Designerläden mit Designerware zu Designerpreisen. Wir sind keine Designer, also ließen wir es sein. Ob sich dieser Prachttempel lange halten wird, wir bezweifelten es, denn einige Ladenflächen standen bereits wieder leer.
Von Marigot nahmen wir ein weiteres Taxi nach Maho-Beach, was wieder im holländischen und damit südlichen Teil der Insel liegt. Der Fahrer setzte uns direkt am berühmten Flugzeugstrand ab und wir waren zufrieden. Ich ergatterte die letzten Schattenplätze in der ersten Reihe und für die nächsten drei Stunden hatten wir Spaß pur. Mit den landenden Flugzeugen, mit den wegfliegenden Handtüchern, mit den brandenden Wellen, mit witzigen Leuten ringsum, die teils abenteuerlichste Ausrüstung bei sich trugen. Aber wir fühlten uns mit unseren beiden Riesenkameras und den verschiedenen, relativ schweren Objektiven absolut unter Gleichgesinnten. Dieser Strand ist nicht zum Relaxen gedacht. Doch, man kann baden, aber wie schon an anderer Stelle beschrieben, lauschige Karibikromantik findet man hier sicher nicht. Trotzdem bekommt dieses Fleckchen Erde von mir 5 Sterne. Einfach, weil es das so sicher nirgends noch einmal gibt. An der Sunsetbar gibt es übrigens auch Essen, was sehr lecker aussah, Burger und Friends, und alle möglichen Getränke. Wir haben uns jeder einen riesigen Smoothie gegönnt, frisch zubereitet. Die Variante ohne Alkohol kostete 6,50$. Sehr lecker.
Zu Fuß ging es dann die ca. 300 m bis zum nächsten Beachclub, weil man uns sagte, dort fährt auch ein Bus nach Phillipsburg. Wir hatten auf der Hinfahrt bereits den morgendlichen Stau in den engen Straßen der Hafenstadt beobachtet und wollten auf Nr. sicher gehen. Allerdings haben wir die Bushaltestelle nicht gefunden, dafür aber wiederum einen netten Taxifahrer, der uns zurück brachte. Für alle, die die Zeit in der Sunsetbar vergessen sollten und dann erschrocken auf die Uhr blicken: keine Panik. Sobald die großen Flieger durch sind, erscheinen immer mal wieder Taxifahrer direkt an der Bar und halten ein Schild „Back to ship“ hoch. Man kommt also in jedem Falle zurück.
Wir haben uns jedoch nicht bis zum Pier bringen lassen, sondern sind in der Frontstreet ausgestiegen. Wie der Name es vermuten lässt, in Front to the Beach. Dort bummelt man dann eben an zwanzig oder dreißig oder vierzig Juwelieren vorbei, je nach dem, wie weit man zählen kann und staunt, wie die alle gemeinsam überleben können? Denn dauernd tritt einem jemand auf die Füße, pardon, entgegen und hält einem einen Flyer unter die Nase, der 70% Rabatte und mehr verspricht. „Nur heute!“ Klaro.
Wir haben uns einen Cappuccino, ein Eis und ein Wasser am Strand gegönnt und unser Schiff dabei schön im Auge behalten…man weiß ja nie. Es war schließlich unser erster Landgang, und wer weiß, vielleicht waren wir schon unangenehm aufgefallen?

2. Antigua

Zum zweiten Mal stellten wir morgens um acht fest, dass unser Kapitän einer von der ganz fixen Sorte sein muss. Ich werde diesem Mann später noch ein kleines Kapitel widmen, so viel sei schon verraten. Genau wie an der ersten Insel gestern, waren wir auch heute überpünktlich im Hafen. Angekündigt für 8.00 Uhr, schleppten die Hafenarbeiter die schweren Schlaufen der Taue bereits deutlich früher über die Poller. Wir beobachteten alles von ganz oben und hatten den Eindruck, Antigua schläft tief und fest. Ich glaube, in dieser Gegend der Erde gibt es keine logischen Motive für einen Wecker oder ähnlichen Zivilisationsunrat. Nun ja, wir genossen die morgendliche Stille.
Die augenblicklich beendet war, als wir Passagiere das Schiff verließen. Hunderte von Tourguides und Taxifahrern sprangen auf uns zu und wollten uns zu einer Inselrundfahrt „einladen“. Da wir nichts vorab geplant oder gebucht hatten, und da der Reiseführer vom adac nette Sehenswürdigkeiten im Süden und Südosten versprach, ließen wir uns schließlich darauf ein. Wir haben 100 Dollar verhandelt, dafür wollte uns „unser“ Mr. White den ganzen Tag zu den schönsten Ecken der Inseln fahren. Nun sind wir derlei Privatservice nicht gewohnt, ebenso wenig wie die Tatsache, permanent zu zweit hinten in einem geräumigen Auto zu sitzen und vorn sitzt ein Chauffeur. Auf der falschen Seite. Sie wissen, wie ich das meine? Es ist sicher eine Frage der Gewohnheit. Mein erstes Auto habe ich ohne Fahrer bekommen, dafür mit einem saftigen Zinssatz der Bank. Ich steh dazu.
Wir hatten also in den ersten Stunden so unsere Schwierigkeiten damit, wenn er uns an irgendeinem Punkt zum Fotografieren oder Bummeln absetzte und wir anständigerweise fragten, wie viel Zeit wir hätten. Worauf er gleich bleibend freundlich wie ausdauernd wiederholte, dass das ganz allein unser Ermessen sei, wir hätten diesen Tag bei ihm gekauft. Okay, wir bemühten uns um Gelassenheit.
Aber er hatte nicht zu viel versprochen. Wir haben eine kleine Rundfahrt gemacht, einen ganz bezaubernden Hafen besucht, in aller Ruhe einen Kaffee genossen und den Skippern bzw. deren Personal dabei zugesehen, wie sie klar Schiff machten. Doch, doch, es gibt wohl viel mehr Leute, die für so etwas tatsächlich Personal haben, als man glauben möchte. In der Karibik jedenfalls. Ist ja auch schön. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat.
Gegen Mittag brachte unser Fahrer uns dann zu einem sehr schönen Strand, wo wir nach der üblichen Frage, wie lange…., und der üblichen Antwort, einfach nur relaxen wollten. Links und rechts neben unseren Liegen und dem sehr wichtigen Sonnenschirm identifizierten wir anhand der Handtücher weitere Gäste der Silhouette. Ach, wie nett. An Bord sieht man sich eigentlich nie. Oder glauben Sie, dass Sie über 2000 Gesichter nach fünf Tagen wieder erkennen? Wir staunten jedenfalls. Und fühlten uns auch ganz gut, denn für alle galt: „Unsere Fahrer warten dort hinten, im Schatten, unter den Bäumen.“
Diese Selbstorganisation der Inselausflüge hat aus meiner Sicht mehrere Vorteile. Man muss z.B. mal über seinen Schatten springen und das dreißig Jahre alte Schulenglisch rauskramen. Außerdem kommt man beim Preise verhandeln ganz sicher ins Gespräch mit den Einheimischen. Man kann über sich selbst lachen. Man lässt Geld auf der Insel, denn bei den Ausflügen, die auf dem Schiff zu buchen sind, geht das Geld ja auch noch an die Reederei. Tja, und nicht zuletzt hat man für die kurze Zeit an Land ein großes Maß an Freiheit und Selbstbestimmung. Wie wichtig das ist, sollten wir am nächsten Tag auf St. Lucia lernen.


…Fortsetzung folgt
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Aw: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 23 Mär 2012 16:39 #29443

:danke: für diesen ausführlichen Bericht bis jetzt :sensation: !! Was hat die Taxi Fahrt vom Mahoo Beach bis nach Philippsburg gekostet, Festpreis oder Sammeltaxi?
VLG
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Aw: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 23 Mär 2012 17:06 #29446

:applaus: :applaus:

Hallo Happy!
Das ist ein ganz toller, super lustig geschriebener Reisebericht, welcher Lust auf viiiiel mehr Lesen macht! Man erlebt diese Reise richtig mit! Ich habe vor lauter Lesen ganz vergessen, dass ich eigentlich noch putzen wollte :unsure: :unsure:
Obwohl wir in 3 Wochen auch auf grosse KF gehen, ist in mir der Wunsch entstanden, diese Reise mit DEINEM Schiff auch mal zu machen! Wie sag ich's bloss meinem Partner??

Ich warte sehnsüchtig auf weitere Berichte! :danke:

Liebe Grüsse
Ursula
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:costa: Costa Fortuna: Transatlantik-Kreuzfahrt 20.11. - 8.12 2010
:costa: Costa Favolosa: Orient-Kreuzfahrt 13. - 29.4.2012
:costa: Costa Atlantica: Asien-Kreuzfahrt 6. - 21.6.2013
:costa: Costa Mediterranea: Ost-Karibik 11. - 23.12 2014
:costa: Costa Serena: Mittelmeer-Kreuzfahrt 23. - 30.3.2014
:Azamara: Azamara Journey: Mittelamerika , West-Karibik 26.3. - 5.4.2016


Need some cruise help?
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Aw: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 23 Mär 2012 21:43 #29448

Hi zusammen,

vielen Dank für euer positives Feedback. Ich geb ja zu, dass ich gern schreibe und natürlich auch gern in Erinnerungen schwelge.
Da ich aber heute und morgen noch arbeiten muss, gehts erst morgen abend weiter. Versprochen.

Die Taxifahrt vom Maho Beach nach Phillipsburg hat uns 15 $ gekostet, kein Sammeltaxi. Aber, wie schon mehrfach erwähnt, es war unsere erste Insel, wir waren noch sehr unsicher und aufgeregt, sicher hätten wir den Preis verhandeln können. Oder ihr tut euch mit anderen Passagieren vom Schiff zusammen und nehmt ein Taxi. Man erkennt sich ja sehr schnell an den einheitlichen Handtüchern.
Ein Fotograf am Strand hatte uns auch erzählt, dass es einen Linienbus gäbe, für weniger als 5$ und es soll auch Wassertaxis geben. Die haben wir leider nicht gesehen, denn die sind nachmittags sicher die beste Staualternative zurück zum Schiff.

also dann, danke für eure Geduld! LG, Happy

PS: liebe Ursula, dann läßt du deinen Schatz am besten auch den Bericht lesen?
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Aw: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 24 Mär 2012 09:25 #29450

Danke für die Fortsetzung, ich bin schon gespannt auf den angekündigten weiteren Teil. Welche Kabine hattet ihr? Wir haben Aqua Class gebucht und freuen uns auf das Blu und den Persian Garden.
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Aw: Reisebericht: Celebrity Silhouette (5.3. -17.3.12) - östliche Karibik; ab/an New York 24 Mär 2012 19:45 #29451

Hallo Mave,

wir hatten Kabine 7346, also ziemlich weit hinten, was sehr schön war. Aber den Kabinen widme ich später noch ein eigenes Kapitel, siehe oben. Jetzt erstmal weiter mit den Inseln:

3. St. Lucia

Der Tag auf dieser Insel gehört jetzt schon zu meinen liebsten Erinnerungen der ganzen Reise. Einzig hier auf St. Lucia hatten wir einen Ausflug fest gebucht. Bereits von Deutschland aus, was problemlos über die Bühne ging. Alle Infos zum Veranstalter unter www.fabiantoursstlucia.com
Wie vereinbart trafen wir uns mit unserem Tourguide direkt an der Information im Hafengebäude. Spannend ist, dass St. Lucia zwei Piers mit verschiedenen Namen hat und wir Passagiere erst beim Anlegen merken, auf welcher Seite des Hafens man ankommt. Wir hatten Glück und bekamen unseren Liegeplatz am hübschen Serafine-Pier. Unser Guide Curtis konnte sich das Spektakel natürlich in Ruhe von Land aus anschauen und so gab es keine Schwierigkeiten, uns zu finden.
Wir begegneten also einem jungen Mann, der auf der Insel geboren und aufgewachsen ist und der sichtlich stolz war, uns seine Heimat zu zeigen. Er lachte und lächelte viel und sein Englisch konnten wir sehr gut verstehen. Wir hatten bei der Buchung eine etwas größere Inselrundfahrt mit verschiedenen Stops gebucht und so machten wir uns auf den Weg. Da Curtis wusste, welche Routen die schiffseigenen Ausflüge und damit die Menschenmassen nehmen würden, fuhr er mit uns praktisch in entgegen gesetzter Richtung bzw. einige der Sammelbusse überholte er, weil wir mit unserem etwas kleineren Auto schlicht schneller waren. Aber keine Sorge, auch das „kleine“ Auto war ein SUW, also Platz für alles. Ich fand es sehr bequem, dass wir unsere Taschen und die Fotoausrüstung einfach in den Kofferraum legen konnten und dann für den Rest des Tages in Sicherheit und immer bei uns wussten. Wenn wir irgendwo anhielten, um uns umzuschauen, oder etwas zu fotografieren oder bei den Straßenhändlern zu feilschen, dann mussten wir nicht jedes Mal unser Sack und Pack mitnehmen. Und – wenn wir weiter wollten, dann mussten wir auf niemanden warten.
Obwohl das Wetter ausgerechnet an diesem Tag eher durchschnittlich war, wurde es ein prima Ausflug. Curtis fuhr mit uns zu einer Bananenplantage, erklärte uns unterwegs einiges zur Infrastruktur der Insel, zeigte uns Mangobäume und Ananas. Allmählich bewegten wir uns immer höher hinauf in den Regenwald. Es war faszinierend. Immer wenn wir hielten, schaltete er den Motor aus und wir genossen die Geräusche der Natur. Sensationell.
Natürlich fuhren wir auch zu der Stelle, an der man den schlafenden Vulkan besuchen kann. Für uns war es einerseits sehr beeindruckend, wie nah wir hier quasi an die Produktionsstätte unserer Erde herankamen, andererseits stank es natürlich zum Himmel, sodass sich keine größeren Touristengruppen für längere Zeit in dem Areal aufhielten. Außer ein paar ganz Entspannten. Die nahmen ein Bad im sehr eisenreichen und sehr warmen Wasser am Fuße des Kraters.
Andere Highlights wie die Pinots oder Marigot Bay ließen wir natürlich auch nicht aus, aber Curtis verstand es gut, uns um die allzu überlaufenen Ecken herumzulotsen.
Am zeitigen Nachmittag neigte sich unsere Tour dem Ende zu und ich bekam allmählich Hunger. Curtis hatte uns zwar den ganzen Tag mit Früchten, kleinen Snacks und Getränken versorgt, das war inklusive, aber mir stand der Sinn nach etwas herzhaftem, gern auch Lunch. Auf meine Frage, wo wir denn noch was zu essen bekämen, überlegte er kurz, zwinkerte dann pfiffig und fragte zurück: „Darf es denn auch einheimische Küche sein?“
„Nichts lieber als das.“
„Muss es ein Restaurant sein?“
„Absolut nicht!“
Er grinste und los gings. Zurück nach St.John, der Hauptstadt. Dort fuhren wir zu einem Wochenmarkt. Ein Markt so groß wie andernorts ganze Stadtviertel. Ein dichtes Knäuel aus Ständen, Buden, Wellblech, schmalen Gängen und abenteuerlichen Dachkonstruktionen. Curtis fuhr langsam an einer Seite des Marktes entlang und spähte in das Labyrinth. Dann kam ein kurzes „Yheap!“, und er stellte das Auto am Straßenrand ab.
Wir stiegen aus und folgten ihm ein paar Schritte in den Markt hinein. Die meisten Verkaufsstände waren bereits leer und geschlossen, es war schließlich Sonntag. Doch an einem Imbiss war noch Betrieb. Ein karibischer Imbiss. Zunächst sah es innen und außen nicht anders aus, als an den meisten Imbissbuden in Deutschland. Drinnen jede Menge Kochstellen und Herdplatten und Töpfe und Pfannen und Schüsseln. Und davor ein paar Bänke und Tische. Doch was da alles brutzelte und leise vor sich hin köchelte, wie das duftete! Huhn, Lamm, Fisch, Schweinefleisch; dazu Süßkartoffeln, Bohnen, Nudeln, Salate, Soßen. Uns gingen die Augen über. Klar, wir haben auf unserem Schiff zu jeder Tages- und Nachtzeit die leckersten Sachen gegessen. Unverschämtheit! Aber das hier, das war einfach fantastisch. Und das beste war die Köchin. Sie verriet uns, dass sie so kocht, wie ihr der Sinn steht. Eine Mischung aus kreolisch, französisch und weißderhimmel. Manchmal etwas schärfer, manchmal nicht so sehr. Eine stattliche Frau, wunderschön und sehr stolz auf ihre Küche. Zu Recht. Sie befüllte uns eine Art Einweggeschirr mit fast allem, was die Töpfe hergaben, zwinkert genauso fröhlich wie Curtis und meinte, dass das sicher für zwei reichen würde. Das glaubten wir ihr sofort. Dann haben wir noch eine weitere Portion für ihn einpacken lassen, Besteck dazu und ab zum Auto. Können Sie sich vorstellen, wie ungeduldig ich war, die Leckereien endlich probieren zu dürfen? Aber Curtis meinte, ich solle noch warten. Er fuhr mit uns zu einem Strand unmittelbar an der Straße mit dem schönen Namen „Nelson Mandela“. Dort waren nur wenige Menschen, ausnahmslos Einheimische und alle bei ihrer sonntäglichen Lieblingsbeschäftigung: Barbecue.
Wir stiegen aus, suchten uns eine Holzbank unter einem riesigen Mandelbaum und dann endlich schmatzten wir los. Zwischen Finger ablecken und Gewürze raten fragte ich Curtis, was für eine Art Fisch wir gerade verputzten.
„Das ist Dorade.“
„Eine Dorade?“, fragte ich ungläubig zurück.
„Ja, sicher. Wieso? Stimmt was nicht?“
Ich war platt. Das ganze Essen zusammen hatte keine zehn Dollar gekostet, wenn ich mich recht erinnere, sechs oder sieben. Dorade essen für drei Personen, mit Beilagen, für die ich zu Fuß nach Paris laufen würde. Was hätte ich dafür in Deutschland bezahlt? Curtis lachte und erzählte, dass der Fisch ja schließlich direkt hier an der Insel gefangen würde. Prima!
Und das alles vor dieser unglaublichen Kulisse. Strand, Wellen rauschen, rundherum fröhliche, entspannte Menschen. Was für ein Tagesausklang. Ich glaube, man kann verstehen, dass uns das Abschied nehmen sehr schwer fiel.
Auf sehr einfache und dennoch eindringliche Art und Weise haben wir auf dieser kleinen Insel viel gesehen und viel gelernt. Die Menschen sind der eigentliche Schatz der Karibik. Intelligent, charmant, mit einem tollen Sinn für Humor, leben sie in einer sicher nicht unkomplizierten Region, wenn man sich die Wirtschaftskraft und die Geschichte dieser Inseln einmal anschaut. Aber das alles scheint sie weder zu beeindrucken, noch hält es sie davon ab, ihr Leben zu genießen. Ich hoffe, Curtis und seine Landsleute können sich diese Einstellung bewahren.


4. St. Kitts

Für die vierte Insel unserer Rundreise hatten wir keinen Ausflug geplant oder gebucht. Ermutigt durch die Erfahrungen der ersten drei Inseln, gingen wir einfach von Bord und schauten, was es zu entdecken gab. Der Reiseführer in Buchform versprach schöne Strände, aber dazu hatten wir noch keine Lust.
Zunächst bot sich uns das gleiche Schauspiel wie in jedem Hafen, hunderte von Taxifahrern boten ihre Rundfahrten oder sonstige Thementouren an. Ich kann nur jeden Kreuzfahrtpassagier ermuntern, diese Dienste in Anspruch zu nehmen. Es sind einheimische Fahrer, die sich gut auskennen, die sehr höflich und nett sind, die Autos sind gepflegt und die Preise fair. Und egal, welches Ziel man sehen will, sie bringen alle hin und auch sicher wieder zurück. Denn schließlich leben sie davon, dass auch die nächsten Besucher der Insel zahlende Besucher sind. Also, nur Mut!
Wir sind aber erstmal zu Fuß durch das kleine Hafenstädtchen Basseterre gewandert und haben uns eine Kirche angeschaut. Ein Stückchen weiter fanden wir einen hübsch angelegten Park und eine weitere Kirche. Diese war zum Glück offen und wir konnten einen Blick hinein werfen. Schlicht, hell, freundlich. Diese Attribute benutze ich in Deutschland nur selten, wenn ich katholische Kirchen beschreibe. Bereits gestern auf St. Lucia waren uns die vielen Kirchgänger aufgefallen. Klar, sonntags. Uns gefiel es, wie hübsch sich alle für den Kirchgang machen.
Unser kleiner Bummel hat alles in allem vielleicht eine Stunde gedauert, dann wurde es allmählich heiß. In einem kleinen Shop am Circus erstand ich dann einige Klamotten, was mir auf den anderen Inseln bislang nicht gelungen war, aber dann war es auch gut. Wir wollten nun doch ans Wasser, an den Strand, an irgendeinen Strand.
Also haben wir uns direkt am zentralen Platz, eben jenem Circus ein Taxi gesucht, den Fahrer gebeten, uns zu einem schönen Strand zu bringen. Wie auf den Inseln üblich, haben wir einen Preis verhandelt, insgesamt 16 $, denn wir haben natürlich gleich die Rückfahrt mit vereinbart. Es ist sehr praktisch. Der Fahrer brachte uns zu einem Beachclub, durchaus gehobenere Klasse, mit Liegen und Schirmen und Himmelbetten direkt im weißen Sand und wir waren sehr zufrieden. Zwar hat uns der Beachboy, also der mit den Liegen und Schirmen erst nichts geben wollen, weil es angeblich keinen Schirm mehr gab, aber wir haben uns dann einfach selbstständig eines dieser Himmelbetten „gemietet“ und gut war’s. Himmelbett? Nun ja, ein großes, quadratisches Bettgestell mit vier Pfosten, oben drum ein Rahmen. Und darüber und an den Seiten waren breiten Leinenbahnen angebracht, die leise im Wind wehten. Kennen Sie die Werbung mit dieser kleinen weißen Kokoskugel, die, mit der man ganz ohne Schokolade naschen kann? Unglaublich kitschig, oder? Und genau so war es dort. Mit unserem Himmelbett in der Karibik. Traumhaft! Der Fahrer hatte uns erzählt, dass kürzlich erst Queen Elsbeth, also die Mama von Charly, an diesem Strand gewesen sei. Auf ihrer Thronjubiläumsreise quer durch ihr Commonwealth. Keine Ahnung, ob er geflunkert hat. Aber wenn, dann hat die Lady was verpasst!





5. St. Thomas

Diese Insel gehört bereits zu den amerikanischen Jungferninseln, also befanden wir uns quasi wieder in Amerika. Folglich müssten hier die Autos ja eigentlich wieder auf der richtigen Seite fahren, oder? Neugierig spähten wir am Morgen von Deck 14 hinunter auf das Wuseln und Treiben und – nein. Immer noch Linksverkehr. Merkwürdig. Richtig dumm schauten wir aber erst aus der Wäsche, als wir in ein Sammeltaxi stiegen und der Fahrer auf der „richtigen“ Seite saß. Häh? Macht hier jeder so, wie das Lenkrad gewachsen ist? Nein. Auf St. Thomas gibt es das putzige Phänomen, dass der Fahrer links sitzt und auch links fährt. Warum einfach, wenn’s auch umständlich geht. Mich würde die Geschichte dieser besonderen Verkehrsführung interessieren.
Ansonsten gibt es unsererseits zu St. Thomas wenig zu erzählen. Wir haben uns mit besagtem Sammeltaxi zunächst zu Blackbeards Castle bringen lassen, da wir die 99 Stufen, die dorthin führen, nicht bergauf laufen, sondern bergab in Richtung Stadtzentrum gehen wollten. Nach einer Besichtung des Piratenturmes und der dazu gehörigen Anlage. Die hat uns allerdings enttäuscht. In der irrigen Annahme, dass man durch dieses Gelände mit Aussichtsturm und Rumbrennerei hindurch gehen MUSS, um zu den besagten Treppen stadteinwärts zu kommen, haben wir 28 $ Eintritt bezahlt. Dafür gibt es einen Souvenirshop, ein kleines Museum zur Schnapsbrennerei, einen acht Meter hohen Aussichtsturm und direkt an dessen Fuß einen Pool. Einen Pool? Ja, denn das ganze wird wohl auch als Hotel genutzt. Wie und warum weiß ich nicht, wir fanden es irgendwie schräg und haben uns schnell den Abstieg gesucht. Dabei sahen wir dann, dass wir auch außen herum hätten laufen können. Aber egal, gesagt getan. Die Stufen bei der Wärme nicht bergauf zu laufen, erschien uns angesichts dieser aufgetakelten Touristenfalle umso richtiger.
Unten im Stadtzentrum reihten sich dann wieder die Juweliere an die Juweliere, und die wiederum an die Schmuckläden und die nächsten Juweliere. Wer braucht so viele Klunkern? Aber ich kann Ihnen verraten, dass ich trotzdem versucht habe, etwas zu kaufen. Allein, es ist mir nicht gelungen. Ich suchte nach einem ganz bestimmten Perlenarmband, das zu einem Perlenring passen sollte, den ich trage. Stolz fragend zeigte ich diesen Ring in etwa einem halben Dutzend Läden vor und bat um entsprechende Ergänzungen aus Edelmetall. Und was soll ich Ihnen sagen? Nicht einer der zehntausend Händler konnte mir „helfen“. Zwar gab es Perlen, aber nur weiße oder in rosé. Und meinen Ring ziert eine dunkelblaue. Ha! Ich gehe wahrscheinlich als eine der ersten Frauen in die Geschichtsbücher der karibischen Goldschmiedeinnung ein, mit einem unerfüllbaren Wunsch. Eine Marktlücke.
Wir waren es aber auch ziemlich schnell leid, das viele Schauen ohne zu konsumieren und setzten uns in eine Bar am Hafen. Dort betrachteten wir eine Weile das Treiben, bis uns ein Mann auffiel, der munter im Hafenbecken schwamm. Nun muss man dazu wissen, dass der Hafen von St. John recht groß ist. Neben unserem Schiff lagen noch zwei weitere Großraumtransporter und außerdem unzählige Segeljachten, Motorboote, Katamarane, eine qualmende Fähre zog lärmend ihre Bahn zwischen den beiden Ufern der Bucht. Kurz, es gibt idyllische Badegelegenheiten in der Karibik, und es gibt dieses Hafenbecken. Aber das schien den Mann nicht zu stören. Wir hatten inzwischen bezahlt und schlenderten unmittelbar an der Hafenstraße zurück in Richtung Schiff, als der Schwimmer plötzlich mit der flachen Hand aufs Wasser schlug. Wir überlegten gerade, ob er in Schwierigkeiten sei, als wir bemerkten, dass er nicht allein war. Zuerst sahen wir nur eine dreieckige Rückenflosse. Nein, nicht SO eine. Etwas kleiner, mit runder Spitze. Ein Delphin! Ja! Wie wunderschön. Nein! Nein? Zwei Delphine, halt warte, drei, vier, fünf …ach, du meine Güte, das war ja eine ganze Schule. Ein Traum ging in Erfüllung. Für mich. Auf der letzten der Karibikinseln, die wir besuchen sollten, bekam ich endlich frei lebende Delphine zu Gesicht. In zwei Reihen hintereinander, jeweils fünf Tiere, schwammen sie einen großen Kreis durch den Hafen. Leider zu weit weg für ein Foto. Aber wir konnten sie gut sehen.
Der Mann klatschte noch ein paar Mal mit der Hand aufs Wasser, dann drehten sie tatsächlich in seine Richtung. Vielleicht kannten sie ihn? Aber sie näherten sich ihm nicht unmittelbar, sondern schwammen einen kleinen Bogen und verschwanden dann aus unserem Blickfeld. Ich war sehr zufrieden. Wer braucht schon ein Perlenarmband?


…Fortsetzung folgt!


viele Grüße, Happy
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