Schön war es, sehr schön. Und da ich noch immer bestens gelaunt bin und auch noch bis Mittwoch Urlaub habe, tippe ich Euch schnell einen kleinen Bericht.
Das wichtigste zuerst: Die liebe TUI ist immer noch sehr sehr sehr großzügig. Das gastronomische Angebot ist nach wie vor einfach sensationell. Vier Gänge Menü zu Mittag und 5 bis 6 Gänge Abends bei einer beeindruckenden Auswahl und in Galaqualität, dazu der sowohl in weiß (Chardonnay) und rot (Merlot) sehr anständiger Hauswein, eigentlich in dieser Preisklasse unmöglich. Königskrabben und Kavier auch im Selbstbedienungsrestaurant, normal ist das nicht. Langer Rede, kurzer Sinn, für wen Speis und Trank bei einer Kreuzfahrt das Entscheidungskriterium sind, der kommt an der Mein Schiff nicht vorbei. Vor allem solange die TUI weiterhin mehr an dem Gewinnen von Stammkunden bzw. Marktanteilen interessiert ist, als an schwarzen Zahlen.
Zum Schiff selbst muss man ja nicht mehr viel sagen, daher halte ich mich da nicht lange auf. Sondern komme gleich zu den Zielen. Davor lobe ich noch die erstklassigen Geräte im Fitnessstudio. So ein Laufband hätte ich gerne zuhause, bei den Programmen macht das Training sicherlich nicht nur an Seetagen Spaß.
Bergen: Sicherlich das beste Städteziel in Norwegen. Auch beim zweiten Mal innerhalb eines Jahres wieder begeisternd. Eigentlich habe ich zum Entsetzen meiner Partnerin die große Wanderung vom Floien zum Ulriken geplant, aber das Wetter war nicht danach. Also nur wieder mit der Floienbahn hoch und danach ein wenig bummeln und shoppen. Gut, so hab ich mir das nicht ganz vorgestellt, vor allem da das Wetter zu Mittag deutlich besser wurde und die große Wanderung wohl schon geklappt hätte. Trotzdem ein schöner erster Tag an Land.
Geiranger: Neu für mich und durchaus beeindruckend. Wir entschieden uns gegen einen Ausflug und wanderten die allerdings nicht wirklich attraktive Serpentinenstraße zum Flydalen-Aussichtspunkt hoch. Der Panoramablick entschädigt dann aber für alle Mühen. Danach noch den Stoseter-Wasserfall angesteuert, fast noch besser. Die Holde hat trotz Regenwetter ganz brav durchgehalten
Lofoten/Leknes: Hier sollte man einen Ausflug buchen, um nach Reine, Nusfjord und A zu kommen. Wurde schon letztes Jahr gemacht, daher auf eigene Faust nach Ballstad gewandert. Das war ein Flop, muss man leider so sagen. Mit einem „malerischen“ oder „pittoresken“ Fischerdorf hat das nichts zu tun, außerdem geht der Weg die ganze Zeit an der Landstraße entlang. Kleiner Höhepunkt war die wirklich schöne Kirche von Gravdal.
Akureyri: Auch wieder eher ein Fall für eine Ausflugsbuchung auf dem Schiff. Und hier auch noch ein wichtiger Tipp für alle, die mit der Mein Schiff verreisen. Die Wunschausflüge so früh wie möglich buchen! Kurzfristig ist ALLES AUSGEBUCHT, die Kapazitäten sind hier nicht so wie bei Mittelmeerzielen. Bei unserer Reise war auch diesmal das unschöne Wort „Warteliste“ ständig aktuell. Da wir also nix mehr bekommen haben, wieder auf eigene Faust los, wobei Island aber auch so schon wirklich beeindrucken kann. Wir wanderten in Richtung Sulur, dem Hausberg von Akureyri und wurden mit einigen schönen Panoramablicken belohnt.
Reykjavik: Geysire und Vulkane sind auch hier nur mit Ausflug möglich, individuell bekommt man das in der kurzen Landzeit nicht hin. Wir wollten aber ohnehin zur Blauen Lagune, die voll und ganz hielt, was wir uns versprochen haben. Danach noch ein wenig bummeln durch die Hauptstadt und mit dem Gefühl, Island unbedingt wieder besuchen zu müssen, zurück an Bord.
Torshavn: Die Färöer Inseln sind absolut top. Atemberaubende Landschaft, die wir dank einer Mietwagenbuchung auch voll und ganz auskosten konnten. Sehr schade, dass diese Perle so selten von den Reedereien angefahren wird. Für uns das Highlight der Reise.
Invergordon: OK, das ist jetzt halt so ein Ort bei dem man ein sehr großes Faible für die Erdölindustrie haben muss, damit es einem hier gefällt. Aber die schottischen Highlights haben schon ihren Reiz, nur nach fast zwei Wochen lässt die Motivation für die ganz große Action beim Landgang auch langsam nach. Die interessantesten Ausflüge waren leider ausgebucht, so verbrachten wir ein paar gemütliche Stunden im nicht hochspektakulären aber netten Inverness.
Insgesamt eine Traumreise, die leider auch die Mein Schiff 2 kommendes Jahr nicht mehr ansteuert. Wer großen Wert auf Gala legt, der ist aber bei der TUI weiterhin an der falschen Adresse. Die Kleidung der Passagiere entspricht der „legeren“ Vorgabe der Reederei, speziell im Selbstbedienungsrestaurant ist das teilweise schon sehr grenzwertig. Eine minimale Anpassung an die Qualität der Speisen wäre wünschenswert, aber wie gesagt, den Passagieren ist hier eigentlich kein Vorwurf zu machen, so ist das Produkt nun mal konzipiert. Anzug und Abendkleid haben wir jedenfalls im Schrank gelassen.
Die angedachte Zielgruppe der 35 bis 45-jährigen ist zwar schon an Bord, aber es dominieren Familien (im Juli nicht wirklich überraschend, zudem ist das Preismodell wie bei fast allen Anbietern extrem familienfreundlich) und erfahrene Kreuzfahrer. Aber jeder dürfte sich wohlfühlen von 5 bis 95. Herrlich angenehm ist, dass es wirklich keinerlei (versteckten) Nebenkosten gibt und auch die Trinkgeldsache so würdevoll geregelt ist, dass man wirklich gerne die tadellose Leistung des Personals honoriert, auch wenn Trinkgelder eigentlich inkludiert sind. Zu kritisieren gibt’s eigentlich nix.
Höchstens, dass mein Koffer nach der Einschiffung erst sehr spät den Weg zur Kabine gefunden hat. Der Grund: Koffer, die ein Messer bzw. alkoholische Getränke beinhalteten, wurden erst mal nicht auf die Kabine gebracht. Das mit dem Taschenmesser ist natürlich sinnfrei, da ja hunderte eines dabei haben dürften. Und die Frage, woher denn überhaupt gewusst, wird, dass die Flüssigkeiten Alkohol sind (ich hatte schließlich auch eine Packung Milch wegen dem morgentlichen Nespresso in der Kabine dabei), ist mir leider zu spät eingefallen. Starkes Stück eigentlich, aber andererseits nicht wirklich ein relevantes Detail für die Bewertung dieser herrlichen Reise auf einem wunderbaren Schiff. Ob die Mein Schiff konkurrenzlos ist, das bleibt wie üblich Geschmackssache.